Beschaffungsgegenstand
RAHMENBEDINGUNGEN
Das Ziel des Förderprojekts DigiWeser ist die Implementierung einer überbetrieblichen Koordinationsplattform zur Port Call Optimierung als digitales Testfeld an der Stromkaje der Bremischen Häfen in Bremerhaven im Rahmen der Förderrichtlinie "Digitale Testfelder in Häfen - Digitest". Das Ziel der Richtlinie ist es, dazu beizutragen, "eine technische Infrastruktur aufzubauen, die die Erprobung von Innovationen der Logistik 4.0 unter Realbedingungen ermöglicht". Im Fokus steht die Erprobung von bestehenden Technologien und Produkten in einem definierten Testfeld - für das Testfeld spezifisch benötigte Anpassungen sind vorgesehen, eine (Neu-)Entwicklung ist explizit nicht möglich. Der Bieter muss über die, für das Testfeld benötigten Produkte und Technologien, bereits verfügen. Anbieter, die die benötigten Fähigkeiten zwar entwickeln könnten, dies aber noch nicht getan haben, können nicht berücksichtigt werden.
Aufgrund der Einstufung der Bremischen Häfen als kritische Infrastruktur (KRITIS) sind besondere Anforderungen an IT-Sicherheit, Ausfallsicherheit und den Schutz sensibler Daten zu erfüllen, um die Verfügbarkeit und Integrität der Systeme jederzeit zu gewährleisten.
PROJEKTZIELE
Implementierung einer überbetrieblichen Koordinationsplattform für die Vorplanung von Schiffsanläufen, die durch Anpassung an die lokalen nautischen und betrieblichen Rahmenbedingungen eine transparente, interoperable Dateninfrastruktur ermöglicht. Die Plattform wird als SaaS-Lösung bereitgestellt und über standardisierte Schnittstellen mit bestehenden Systemen der Ämter (Hafenbehörde, Wasserstraßenschifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee) und Terminals verbunden. Sie wird als eigenständige "Weser-Instanz" mit lokalem Data Warehouse und angepassten Dashboards konfiguriert.
Unter Berücksichtigung hoheitlicher Zuständigkeiten und logistischer Anforderungen unterstützt die Plattform die Erprobung von Innovationen, u.a. in den Bereichen Just-in-Time-Anläufe, emissionsoptimierter Verkehrssteuerung und datenbasierten Entscheidungsprozessen. Übergeordnetes Ziel des Testfelds ist, eine langfristig betreibbare Koordinationsplattform zu erproben, die im Sinne der Verwertung auf andere Hafenstandorte im Weser-Revier skalierbar ist, um die Vision der „Digitalen Weser“ zu realisieren.
LEISTUNGSGEGENSTAND
Im Rahmen des Förder-Projekts sind vom Bieter folgende wesentliche Leistungen zu erbringen:
1 - Lieferung und Implementierung eines Standard-IT-Systems zur Koordinierung der Hafenanläufe im Sinne der Port Call Optimierung und Just-in-Time Ankunftssteuerung.
Das System muss mindestens folgende Funktionen und Übersichten beinhalten:
- Schiffsmappe mit den für den Port-Call relevanten Daten
- Automatische Identifikation und Visualisierung von Konflikten bei Schiffsanläufen und -abgängen unter Berücksichtigung der nautischen und betrieblichen Einschränkungen
- Gantt-Chart Übersicht als visuelle Unterstützung der An- und Ablaufplanung
- Grafische Liegeplatzübersicht
- Grafische Übersicht der Schiffspositionen anhand AIS-Daten inkl. Geofencing-Funktionalität
- Automatisierte Schiffsankunftsprognosen
und weiter mindestens die nachfolgenden Anforderungen zur technischen Systemgestaltung erfüllen:
- rollenbasierter Zugriff
- Datenaustausch via Schnittstellen (zu behördlichen Systemen, Terminal-Systemen, Umweltdaten)
- eventbasiertes Benachrichtigungssystem zur Anzeige von Änderungen in Plan- oder Ist-Daten
- JIT-Zeitstempelmodell (Estimated, Requested und Planned Time of Arrival) oder vergleichbar
- AIS-Datenintegration
2 - Durchführung der Anlaufs-Koordinierung im Testbetrieb in der Endphase des Projekts
3 - Zusammenarbeit mit der dbh Logistics IT AG zwecks Weiterentwicklung von BREPOS (behördliches Planungssystem zur Überwachung und Steuerung des Schiffsverkehrs, ausschließlich genutzt durch die Hafenbehörde)
Das Projekt gliedert sich in folgende ARBEITSPAKETE:
AP 1 – Planung und Anforderungsmanagement
Erhebung und Priorisierung der funktionalen, technischen und organisatorischen Anforderungen. Erstellung eines abgestimmten Anforderungskatalogs unter Berücksichtigung von IT-Sicherheit, Data Governance und Schnittstellen. Validierung der nautischen und betrieblichen Bedingungen durch Interviews und Workshops mit Hafenbehörde, Wasserstraßenschifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee, Terminals und weiterer am Anlauf beteiligten Hafenakteure.
AP 2 – Installation und Anpassung der Software
Implementierung einer eigenständigen Plattform-Instanz für Bremerhaven. Integration lokaler Systeme über APIs, Parametrisierung der Nutzergruppen und Konfiguration der Dashboards. Anpassung von BrePOS (Fachsystem der Hafenbehörde) zur Sicherstellung des bidirektionalen Datenaustauschs (und der Anforderungen aus AP1). Umsetzung eines Event-Messaging-Modells für Echtzeitkommunikation. Die technische Umsetzung erfolgt agil, mit iterativen Sprints und klaren Akzeptanzkriterien.
AP 3 – Inbetriebnahme und Abschlusstests
Technischer Abschlusstest der Koordinationsplattform anhand exemplarischer Use Cases: der Koordination von Schiffsanläufen und Schiffsabläufen an der Stromkaje. Ziel ist es, die grundlegende Funktionsfähigkeit der Plattform als „Coordination as a Service“-Lösung mit Echtdaten nachzuweisen. Durchführung der Anlaufs-Koordinierung im Testbetrieb.
•a) Der Bewerber oder die Bewerbergemeinschaft haben in den letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahren Umsatzerlöse durch Leistungen, die mit der hier zu vergebenden Leistung vergleichbar sind von nicht weniger als 1.000.000 Euro jährlich erzielt
•bei Bewerbergemeinschaften werden die Umsätze kumuliert betrachtet.
•b) Der Umsatz konzernverbundener Unternehmen wird als Umsatz von Dritten behandelt, auf den sich ein Bewerber/Bieter nicht ohne weiteres berufen kann. Das ist nur möglich und zulässig, wenn der Bieter mit dem anderen Unternehmen des Konzerns eine Bietergemeinschaft bildet.
Haftpflichtversicherung
Nachweis einer Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung oder die Vorlage einer entsprechenden Bankerklärung durch ein in der EU zugelassenes Bank- oder Versicherungsunternehmen, die für die Dauer des verfahrensgegenständlichen Auftrags aufrechterhalten wird.
Die Deckungssummen der Haftpflichtversicherung betragen mindestens
•a) für Personenschäden 5.000.000 Euro
•b) für sonstige Schäden 5.000.000 Euro
•Die Versicherungsinhalte sind zweifach maximiert.
•Erfüllt die bestehende Haftpflichtversicherung die geforderten Summen nicht, kann auch eine Erklärung der Europäischen Versicherungsgesellschaft abgegeben werden, dass die bestehende Versicherung im Auftragsfall an die Höhe der geforderten Summen angepasst wird oder einer Europäischen Großbank über die Absicherung in gleicher Höhe.
a) Projektleitung
Gefordert ist eine Projektleitung mit
• mind. 5 Jahren Erfahrung in der Leitung und Umsetzung von IT-Projekten im maritimen Kontext und
• mind. C1 deutsch-Niveau;
Eine Vertretung ist zu benennen.
b) Nautische Koordinatoren
Gefordert sind mind. 3 aktuell tätige nautische Koordinatoren
• mit einer nautischen Ausbildung (Nautik-Studium oder vergleichbar)
• und mit jeweils mind. 5 Jahren Erfahrung in der Vorplanung und JIT-Koordination von Zu- und Abläufen in einem vergleichbaren Revier.
Ein vergleichbares Revier beinhaltet einen Seehafen mit tidebeeinflusstem An- und Ablauf und für die letzten 5 Jahre
• mindestens durchschnittlich 2000 Schiffsanläufe p.a
• mindestens durchschnittlich 2,5 Mio TEU p.a.
• mindestens 2 Terminalbetreiber
Angaben zum nautischen Personal
•• Jahre der Berufserfahrung in der Koordination von Zu- und Abläufen in einem vergleichbaren Revier (inkl. Revierinformationen)
•• Angaben zur Qualifikation
•Beteilung an Best Practice oder Standardisierungsgremien zur Port Call Optimierung
•Nachweis der Mitgliedschaft / Beteiligung in der ITPCO (International Taskforce Port Call Optimization) oder vergleichbar
•Informationssicherheits-Managementsystem
•Nachweis durch Vorlage Zertifikat DIN EN ISO 27001 oder vergleichbar für den technischen Betreiber des IT-Systems
Zum Nachweis der technischen Leistungsfähigkeit / Fachkunde sind mindestens 1 bis maximal 3 Referenzen vorzulegen, welche mit der hier zu vergebenen Leistung vergleichbar sind.
Die Leistung ist vergleichbar , wenn sie für die letzten 5 Kalenderjahre folgendes umfasst
•a) Betrieb eines IT-Systems mit dem in Leistungsgegenstand 1 beschriebenen Zweck. Weiterhin muss das IT-System mindestens die in Leistungsgegenstand 1 beschriebenen Anforderungen an die Funktionen und technische Systemgestaltung erfüllen
•und
•b) Durchführung einer (nautischen) JIT-Koordinierung von Zu- und Abläufen von See- und Binnenschiffen.
•Hierzu gehört die Vorplanung im Sinne einer Port Call Optimierung mit einem Zeithorizont von 3+ Tagen sowie die proaktive Abstimmung mit beteiligten Hafenakteuren (Terminals, Lotsen, Schlepper, Festmacher)
•Vergleichbar sind Leistungen a) und b) weiterhin nur dann, wenn sie für einen vergleichbaren Hafenstandort bzw. ein vergleichbares Revier durchgeführt werden.
•Ein vergleichbares Revier beinhaltet einen Seehafen mit tidebeeinflusstem An- und Ablauf und für die letzten 5 Jahre