Digitale Vergabe

Vergabeportal: Öffentliche Ausschreibungen finden und nutzen

Definition

Ein Vergabeportal ist eine Online-Plattform, auf der öffentliche Auftraggeber ihre Ausschreibungen veröffentlichen und Bieter Angebote elektronisch einreichen können. In Deutschland gibt es zahlreiche Vergabeportale auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland hat kein einheitliches zentrales Vergabeportal. Ausschreibungen werden auf verschiedenen Bundes-, Landes- und kommunalen Plattformen veröffentlicht, darunter DTVP, Subreport, Vergabe24 und evergabe-online.de.
  • EU-weite Ausschreibungen oberhalb der Schwellenwerte müssen zusätzlich auf TED (Tenders Electronic Daily) veröffentlicht werden. Seit November 2022 erfolgt dies über das neue System eNotices2.
  • Aggregator-Plattformen wie Bidfix bündeln Ausschreibungen aus verschiedenen Vergabeportalen und ermöglichen eine zentrale Suche über alle relevanten Quellen.

Was ist ein Vergabeportal?

Ein Vergabeportal (auch: Ausschreibungsportal oder eVergabe-Portal) ist eine webbasierte Plattform, die zwei zentrale Funktionen im öffentlichen Beschaffungswesen erfüllt:

  1. Bekanntmachung: Öffentliche Auftraggeber veröffentlichen ihre Ausschreibungen und laden zur Angebotsabgabe ein
  2. Transaktionsplattform: Bieter können Vergabeunterlagen herunterladen, Bieterfragen stellen und Angebote elektronisch einreichen

Vergabeportale sind ein wesentlicher Bestandteil der elektronischen Vergabe und ermöglichen die vollständig digitale Abwicklung von Vergabeverfahren. Seit der verpflichtenden Einführung der elektronischen Angebotsabgabe (2018 im Oberschwellenbereich, 2020 im Unterschwellenbereich) sind sie unverzichtbar geworden.

Die deutsche Vergabelandschaft ist durch eine Fragmentierung gekennzeichnet: Es gibt kein einheitliches nationales Portal. Stattdessen betreiben Bund, Länder und Kommunen verschiedene Plattformen, teilweise auf Basis unterschiedlicher technischer Systeme. Für Bieter bedeutet dies, dass sie sich häufig auf mehreren Portalen registrieren müssen, um alle relevanten Ausschreibungen zu finden.

Die rechtlichen Grundlagen für Vergabeportale finden sich in:

  • § 37 VgV: Bekanntmachungspflichten im Oberschwellenbereich
  • § 28 UVgO: Bekanntmachungspflichten im Unterschwellenbereich
  • § 12 VOB/A: Bekanntmachung bei Bauausschreibungen
  • EU-Durchführungsverordnung 2019/1780: Standardformulare für die EU-weite Bekanntmachung (eForms)

Vergabeportale des Bundes

Auf Bundesebene stehen mehrere Portale zur Verfügung, die Ausschreibungen der Bundesbehörden und bundesweiter Auftraggeber veröffentlichen.

service.bund.de / evergabe-online.de

Die zentrale Vergabeplattform des Bundes wird vom Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BeschA) betrieben. Hier werden Ausschreibungen der Bundesbehörden veröffentlicht, darunter Ministerien, nachgeordnete Behörden und die Bundeswehr.

Funktionen:

  • Bekanntmachung von Ausschreibungen aller Vergabearten
  • Elektronische Angebotsabgabe über den integrierten Bieterclient
  • Bieterkommunikation (Fragen und Antworten)
  • Zugang zu den vollständigen Vergabeunterlagen

DTVP (Deutsches Vergabeportal)

Das DTVP gehört zur Healey Hudson GmbH und ist eines der am weitesten verbreiteten Vergabeportale in Deutschland. Es wird nicht nur von Bundesbehörden, sondern auch von Landesbehörden und Kommunen genutzt.

Besonderheiten:

  • Kostenlose Registrierung für Bieter
  • Suchfunktion mit Filterung nach Region, CPV-Code, Vergabearten und Auftragstypen
  • Integration mit TED für EU-weite Bekanntmachungen
  • Automatische Benachrichtigung über neue Ausschreibungen per Suchprofil
  • Unterstützung von Textform und qualifizierter elektronischer Signatur

bund.de

Das Portal bund.de des Bundesverwaltungsamts dient als übergeordnetes Informationsportal und verlinkt auf die einzelnen Vergabeplattformen der Bundesbehörden. Es bietet eine Übersicht über aktuelle Ausschreibungen, ist aber selbst keine Transaktionsplattform für die Angebotsabgabe.

Vergabeportale der Bundesländer

Jedes Bundesland betreibt eigene Vergabeportale oder nutzt eines der übergreifenden Systeme. Die wichtigsten Landesportale im Überblick:

Vergabe.NRW

Das zentrale Vergabeportal für Nordrhein-Westfalen, das Land und Kommunen nutzen. Es basiert auf der Technologie der Vergabeplattform subreport ELViS und bietet eine umfassende Suchfunktion.

Vergabe.Bayern

Das bayerische Vergabeportal wird von vielen bayerischen Behörden und Kommunen genutzt. Es basiert auf der Technologie der Administration Intelligence AG (AI Vergabeportal).

Vergabe24 / Staatsanzeiger Baden-Württemberg

Vergabe24 ist die führende Vergabeplattform in Baden-Württemberg. Sie wird vom Staatsanzeiger betrieben und von vielen Landesbehörden und Kommunen in Baden-Württemberg genutzt.

Vergabemarktplatz Brandenburg / Berlin

Die Länder Brandenburg und Berlin betreiben gemeinsame Vergabeplattformen, die auf dem System der Materna Information & Communications SE basieren.

Weitere Landesportale:

  • Niedersachsen: Vergabe.Niedersachsen.de
  • Hessen: HAD (Hessische Ausschreibungsdatenbank)
  • Sachsen: eVergabe.sachsen.de
  • Rheinland-Pfalz: Vergabe.rlp.de (Subreport-basiert)
  • Schleswig-Holstein: e-Vergabe SH
  • Thüringen: Vergabe.thueringen.de
  • Hamburg: Vergabe.hamburg.de

Für Bieter, die bundesweit an Ausschreibungen teilnehmen möchten, ist die Registrierung auf mehreren Landesportalen erforderlich. Alternativ bieten Aggregator-Plattformen wie Bidfix eine zentrale Suche über alle relevanten Portale hinweg.

EU-weite Vergabeportale: TED und eNotices

Bei Vergabeverfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte besteht eine europaweite Bekanntmachungspflicht. Die Veröffentlichung erfolgt über die europäische Plattform TED (Tenders Electronic Daily).

TED (Tenders Electronic Daily)

TED ist die offizielle Veröffentlichungsplattform der Europäischen Union für öffentliche Ausschreibungen. Täglich werden hier tausende Bekanntmachungen aus allen EU-Mitgliedstaaten veröffentlicht.

Kennzahlen:

  • Über 800.000 Bekanntmachungen pro Jahr
  • Alle EU-Mitgliedstaaten plus EWR-Staaten und Schweiz
  • Verfügbar in allen EU-Amtssprachen
  • Kostenfreier Zugang für alle Nutzer

Die Suche auf TED kann nach Land, Region (NUTS-Code), CPV-Code, Auftragstyp und vielen weiteren Kriterien gefiltert werden.

eNotices2 / eForms

Seit November 2022 hat die EU das neue System eNotices2 eingeführt, das auf dem eForms-Standard basiert. eForms sind strukturierte elektronische Formulare, die die bisherigen Standardformulare (TED-Formulare) ablösen.

Wichtige Neuerungen durch eForms:

  • Strukturierte Daten: Bekanntmachungen werden als strukturierte Datensätze erfasst, nicht mehr als Freitext
  • Einheitliche Klassifizierung: Konsistente Verwendung von CPV-Codes, NUTS-Codes und Verfahrensarten
  • Maschinenlesbarkeit: Ermöglicht automatisierte Auswertung und intelligente Suche
  • Pflichtfelder: Mehr Pflichtangaben für vollständigere Bekanntmachungen

Seit dem 25. Oktober 2023 ist die Nutzung von eForms für EU-weite Bekanntmachungen verpflichtend. Auftraggeber müssen ihre Bekanntmachungen über das eNotices2-System im eForms-Format einreichen.

SIMAP

SIMAP (Système d'Information pour les Marchés Publics) ist das Informationssystem der EU für das öffentliche Auftragswesen. Es dient als übergeordnetes Portal, das auf TED verweist und zusätzliche Informationen zu den EU-Vergaberichtlinien bereitstellt.

Vergabeportale vergleichen: Funktionen und Unterschiede

Nicht alle Vergabeportale bieten die gleichen Funktionen. Ein Vergleich der wichtigsten Plattformen hilft Bietern, die richtige Strategie zu wählen.

Bekanntmachungsfunktion

Alle Vergabeportale bieten die Veröffentlichung von Ausschreibungen. Unterschiede bestehen in:

  • Suchfunktionen: Filterung nach CPV-Code, Region, Vergabeart, Auftragsvolumen
  • Suchprofile: Automatische E-Mail-Benachrichtigung bei neuen relevanten Ausschreibungen
  • Volltextsuche: Durchsuchbarkeit der Bekanntmachungstexte und Vergabeunterlagen

Angebotsabgabe

Die elektronische Angebotsabgabe unterscheidet sich technisch erheblich:

  • Webbasiert vs. Bieterclient: Einige Plattformen erfordern die Installation einer separaten Software (Bieterclient), andere ermöglichen die Abgabe direkt im Browser
  • Signaturunterstützung: Nicht alle Plattformen unterstützen alle Signaturarten
  • Dateiformate: Akzeptierte Formate und Upload-Grenzen variieren

Bieterkommunikation

Die Möglichkeit, Bieterfragen zu stellen und Antworten einzusehen, ist bei allen Plattformen vorhanden, unterscheidet sich aber in der Handhabung:

  • Anonyme vs. namentliche Fragen
  • Automatische Benachrichtigung über neue Antworten
  • Nachrichtenfunktion für bilaterale Kommunikation

Kosten für Bieter

Die meisten großen Vergabeportale bieten eine kostenlose Basisregistrierung an. Erweiterte Funktionen wie Suchprofile oder Archivzugriff können kostenpflichtig sein.

Aggregator-Plattformen als Alternative

Anstatt sich auf jedem einzelnen Vergabeportal zu registrieren, können Bieter Aggregator-Plattformen nutzen, die Ausschreibungen aus verschiedenen Quellen bündeln. Bidfix aggregiert Ausschreibungen aus deutschen Vergabeportalen und TED und bietet eine zentrale Suche mit KI-gestützter Filterung, Analyse und Angebotsunterstützung.

Tipps für die effektive Nutzung von Vergabeportalen

Um Vergabeportale optimal zu nutzen und keine relevanten Ausschreibungen zu verpassen, empfehlen sich folgende Strategien:

1. Auf den richtigen Portalen registrieren

Identifizieren Sie die Vergabeportale, die Ihre Zielkunden (Auftraggeber) nutzen. Kommunale Auftraggeber in Bayern nutzen andere Portale als Bundesbehörden oder Kommunen in NRW. Registrieren Sie sich auf den relevanten Plattformen und vervollständigen Sie Ihr Unternehmensprofil.

2. Suchprofile einrichten

Nutzen Sie die automatischen Benachrichtigungsfunktionen der Portale. Legen Sie Suchprofile an, die nach Ihren relevanten Kriterien filtern:

  • CPV-Codes Ihrer Leistungsbereiche
  • Regionale Eingrenzung (NUTS-Codes oder Bundesland)
  • Auftragsvolumen (Ober- und Untergrenze)
  • Vergabearten

3. Fristen im Blick behalten

Nutzen Sie die Kalenderfunktionen der Portale, um Angebotsfristen, Teilnahmefristen und Fragetermine im Blick zu behalten. Verspätete Angebote werden ausnahmslos ausgeschlossen.

4. Vergabeunterlagen frühzeitig herunterladen

Laden Sie die Vergabeunterlagen sofort nach Bekanntmachung herunter, nicht erst kurz vor Fristablauf. So haben Sie maximale Zeit für die Angebotserstellung und können rechtzeitig Bieterfragen stellen.

5. Bieterfragen aktiv nutzen

Stellen Sie bei Unklarheiten Bieterfragen über die Kommunikationsfunktion des Portals. Die Antworten werden allen Bietern zugänglich gemacht und können wertvolle Hinweise für die Angebotserstellung enthalten. Lesen Sie auch die Fragen anderer Bieter und die Antworten des Auftraggebers aufmerksam.

6. Technische Voraussetzungen prüfen

Stellen Sie sicher, dass Ihr System die technischen Anforderungen der jeweiligen Plattform erfüllt: unterstützter Browser, ggf. Bieterclient-Installation, elektronische Signatur, ausreichende Upload-Geschwindigkeit.

7. Aggregator nutzen

Sie müssen nicht jedes einzelne Portal manuell durchsuchen. Nutzen Sie eine Plattform wie Bidfix, die Ausschreibungen aus verschiedenen Portalen automatisch zusammenführt und nach Relevanz filtert.

FAQ

Gibt es ein einheitliches Vergabeportal für ganz Deutschland?

Nein, Deutschland hat kein einheitliches zentrales Vergabeportal. Bund, Länder und Kommunen nutzen verschiedene Plattformen wie DTVP, Subreport, Vergabe24, AI Vergabeportal und zahlreiche Landesportale. Bieter müssen sich daher auf mehreren Plattformen registrieren oder einen Aggregator wie Bidfix nutzen, der Ausschreibungen aus verschiedenen Quellen bündelt.

Ist die Registrierung auf Vergabeportalen kostenlos?

Ja, die Registrierung als Bieter ist bei den meisten großen Vergabeportalen kostenlos. Das gilt für DTVP, die Bundesplattform evergabe-online.de, TED und die meisten Landesportale. Einige Portale bieten kostenpflichtige Premium-Funktionen wie erweiterte Suchprofile oder Archivzugriff auf ältere Ausschreibungen.

Wo finde ich EU-weite Ausschreibungen?

EU-weite Ausschreibungen oberhalb der Schwellenwerte werden auf TED (Tenders Electronic Daily) unter ted.europa.eu veröffentlicht. Seit Oktober 2023 erfolgt die Einreichung der Bekanntmachungen über das neue eNotices2-System im eForms-Format. Die Suche auf TED ist kostenlos und kann nach Land, Region (NUTS-Code), CPV-Code und weiteren Kriterien gefiltert werden.

Wie finde ich das richtige Vergabeportal für meine Region?

Das richtige Portal hängt vom Auftraggeber ab. Bundesbehörden nutzen evergabe-online.de oder DTVP. Landesbehörden nutzen in der Regel das Landesportal ihres Bundeslandes (z. B. Vergabe.NRW, Vergabe.Bayern). Kommunen können landeseigene oder übergreifende Portale nutzen. Eine Aggregator-Plattform wie Bidfix durchsucht alle relevanten Portale automatisch.

Was ist der Unterschied zwischen TED und nationalen Vergabeportalen?

TED ist die EU-weite Plattform für Ausschreibungen oberhalb der EU-Schwellenwerte. Nationale Vergabeportale veröffentlichen sowohl Ausschreibungen unterhalb als auch oberhalb der Schwellenwerte. Bei EU-weiten Verfahren muss die Bekanntmachung sowohl auf TED als auch auf dem nationalen Portal erscheinen. TED bietet keine Transaktionsfunktion, die Angebotsabgabe erfolgt immer über das nationale Portal.

Verwandte Ausschreibungen

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Verwandte Glossarbegriffe

Vergabeprozess

Elektronische Vergabe

Die elektronische Vergabe (E-Vergabe) bezeichnet die vollständig digitale Abwicklung öffentlicher Vergabeverfahren, von der Bekanntmachung über den Versand der Vergabeunterlagen und die Angebotsabgabe bis zur Zuschlagserteilung über spezielle Vergabeplattformen.

Digitale Vergabe

Digitale Angebotsabgabe

Die digitale Angebotsabgabe bezeichnet die elektronische Einreichung von Angeboten über eVergabe-Plattformen. Seit Oktober 2018 ist sie bei EU-weiten Vergabeverfahren verpflichtend, seit 2020 auch im Unterschwellenbereich weitgehend Standard.

Vergaberecht

CPV-Code

CPV-Codes (Common Procurement Vocabulary) sind ein EU-weites, standardisiertes Klassifikationssystem für öffentliche Aufträge. Der achtstellige Zahlencode ermöglicht die einheitliche Beschreibung des Auftragsgegenstands in allen EU-Amtssprachen.

Klassifizierung & Codes

NUTS-Codes

NUTS-Codes (Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques) sind ein hierarchisches System der EU zur Klassifizierung von Regionen. Im Vergabewesen dienen sie zur geografischen Einordnung von Ausschreibungen und ermöglichen die regionale Suche nach öffentlichen Aufträgen.

Vergaberecht

Schwellenwerte

Schwellenwerte sind die vom EU-Gesetzgeber festgelegten Auftragswertgrenzen, ab deren Erreichen ein öffentlicher Auftrag europaweit ausgeschrieben werden muss. Sie werden alle zwei Jahre angepasst.

Vergaberecht

Vergabeverfahren

Vergabeverfahren sind die gesetzlich geregelten Prozesse, nach denen öffentliche Auftraggeber Aufträge für Bau-, Liefer- und Dienstleistungen vergeben. Je nach Auftragswert und Komplexität stehen verschiedene Verfahrensarten zur Verfügung.